70/20/10 und die toten Pferde

70/20/10 und die toten Pferde

In einem Artikel habe ich ein interessantes Zitat über die Zeiteinteilung bei Google gefunden:

“Wir verwenden 70% unserer Zeit auf unser Kerngeschäft Suche und Werbung. Wir verwenden 20% auf angrenzende Geschäftsfelder: Google News, Google Earth und Google Local. Und 10% sind den Dingen gewidmet, die tatsächlich ganz neu sind.”
(Eric Schmidt, 2005)

Das hat mich nachdenklich gemacht. Kann ich dieses Modell auf meine Arbeit in der Pastoral übertragen?

Wieviel Prozent unserer Arbeitszeit nutzen wir für Projekte wie Sakarmentenkatechese?

Wieviel Zeit verbringen wir mit unserem Kerngeschäft?

Womit verbringen wir unsere Zeit überhaupt?

 

Ich glaube unser Kerngeschäft ist die Seelsorge. Dazu zähle ich die drei Grundvollzüge »Martyria« »Liturgia« und »Diakonia«.
Entfallen auf dieses Kerngeschäft 70% der Zeit? Das wären bei einer 39 Stunden Woche 27,3 Stunden.
Natürlich braucht dieses Grundgeschäft auch Zeiten der Vor- und Nachbereitung. Also gehen wir einmal von 30 Stunden “echter” Seelsorge im direkten Kontakt mit Menschen aus.
Ich kann nicht sagen, ob ich diese Zahl wirklich jede Woche erreiche.

Meinem Gefühl nach verwende ich etwa gleich viel Zeit auf organisatorische und bürokratische Tätigkeiten, Sitzungen und Besprechungen wie auf unser Kerngeschäft. Besonders da viele Themen in den Sitzungen unser Kerngeschäft nicht berühren. Ich fasse diese Tätigkeiten mal als “angrenzende Geschäftsfelder” zusammen. Ich liege also deutlich über den bei der Firma Google angestrebten 20%.

Am Spannendsten finde ich die letzten 10%. Google verwendet diese auf Projekte die “tatsächlich neu sind”.
Wagen wir in unsere Pastoral wirklich Neues? Oft habe ich das Gefühl, dass wir stattdessen bereits lange tote Pferde weiter reiten. Um Zeit für die Erprobung neuer Ideen zu haben ist es aber notwendig Dinge sein zu lassen und von diesen Pferden abzusteigen. Dazu gehören auch begleitete Trauerprozesse für die Gemeinde. Doch Trauer kann nur angegangen werden wenn wir endlich anfangen zu beerdigen.

Das Bistum Essen geht diesbezüglich einen sehr interessanten Weg. Dort hat der Bischof dazu aufgerufen 10% der Arbeitszeit für neue Projekte einzusetzen.

Versuche doch einmal mehr Zeit in neue Projekte zu investieren und verändere aktiv Kirche mit.
Um dich nicht zu übernehmen kürze die »angrenzenden Felder« oder beerdige ein totes Pferd.

Installiere dir diese Woche doch einmal eine App, mit der du Stunden für verschiedene Projekte tracken kannst. Oder schreibe es dir auf Papier auf. Wieviele Stunden deiner Arbeitszeit verwendest du für unser »Kerngeschäft« und wieviel für »angrenzende Felder?

Ich bin sehr gespannt auf deine Messergebnisse. Kommentiere unten bitte deine Werte.

Außerdem interessiert mich:
Bist du von den Ergebnissen überrascht, geschockt oder zufrieden?

Benjamin – Ich habe Zeit für dich.

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© Benjamin Floer
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