Ma hat ma Stress, hat ma ma, hat ma Ruh.

Ma hat ma Stress, hat ma ma, hat ma Ruh.

Vielen Dank, dass du dir trotz dieser Überschrift Zeit nimmst mit dem Lesen zu beginnen.

Ich schreibe diesen Text an meinem Geburtstag und bin wohl etwas albern.
(Ich warte auf das Frühstück, das meine Familie vorbereitet und arbeite später natürlich nicht an meinem Geburtstag).

Die Überschrift ist jedoch tiefsinniger als sie aussieht:

Zeitmanagement Trainer (auch ich) raten oft dazu Wartezeiten sinnvoll zu nutzen

– Ließ ein Buch im Wartezimmer
– Nutze Wege zwischen Terminen zum Telefonieren
– Bearbeite im Zug deine E-Mails.

STOPP

Ich habe hier im Urlaub Etwas gelesen, das mich umdenken lässt.

Wartezeiten erleben wir als gestresste Europäer oft als sinnlose Leere, die es zu füllen gilt.

Japaner hingegen sehen diese Zeiten als »ma« – einen Raum »voll von nichts«, von dem eine produktive Kraft ausgeht.

Der Zen Meister Thich Nath Hanh leitet daraus folgende Empfehlung ab:

»Statt zu sagen: >Sitz nicht einfach nur da; tu irgend etwas<, sollten wir das Gegenteil fordern >Tu nicht einfach irgend etwas; sitz nur da.<«

Genial!

Denn erstens tun wir viel zu oft »irgend etwas«, ohne dass es einen tieferen Sinn hat (Facebook, Twitter, Fernsehen, schlechte Bücher, sinnlose Mails).

Und zweitens tun wir viel zu selten einfach mal Nichts.

Auch die alten Griechen schätzten es nichts zu tun. Aristoteles erklärte einmal:

Wir arbeiten, um Muße zu haben.

Heutzutage herrscht stattdessen die Einstellung: Die Erholung dient einer produktiveren Arbeit.

“Scholia” hieß bei den Griechen die Muße. Die “Ascholia” war die Nicht-Muße.

Auch die Römer kannten das. “Otium” war die Muße. “Neootium” die Nicht- Muße.

Es bedurfte keiner Rechtfertigung nichts zu tun, sondern die Arbeit musste, als Abwesenheit von Muße, gerechtfertigt werden.

Diese Muße war bei Römern und Griechen natürlich nur durch Sklaverei möglich. Doch heut zu Tage sparen uns diverse technische Geräte soviel Zeit, dass wir problemlos genügend Zeit zum Nichtstun hätten.

Wer versucht dauerhaft produktiv zu sein, wird früher oder später einen Burnout erleben.

Auszeiten dienen jedoch nicht nur der Produktivität sondern dadurch auch der Erholung.

Niemand käme auf die Idee die Tour de France am Stück zu fahren. Selbst für diese professionellen Muskelpakete sind Entspannungstage eingeplant.

Ich lade dich dazu ein einfach einmal nichts zu tun.

Das »ma« zu umarmen als einen „Raum voll Nichts“, der für dich zu einer Quelle der Produktivität werden kann.

Machst du mit?

Versuchsaufbau:

1) Suche dir einen bequemen Stuhl oder Sessel.
2) Stelle dir einen Wecker auf 7 Minuten und lege ihn unter deinen Sitzplatz.
3) Setz dich hin und tue nichts! Du kannst die Augen schließen oder auf einen festen Punkt gucken.

Was wird passieren?

– Du wirst zu Beginn viel nachdenken. Lass die Gedanken einfach kommen. Lass sie aber auch wieder gehen.
– Vielleicht schläfst du kurz mal ein. Das ist vollkommen in Ordnung.
– Du wirst unruhig werden und gucken wollen ob der Wecker läuft. Keine Angst er läuft und du hast noch viel mehr Zeit als du glaubst. Lege dich also zurück und genieße die Ruhe.

Mache diese Übung mindestens einmal pro Woche. Später solltest du den Rhythmus erhöhen.

Du hast keine Zeit fürs Nichtstun?

Dann wirst du bald so am Ende sein, dass du mehr Zeit dafür hast als du es dir jetzt vorstellen kannst.

“Nimm dir täglich eine halbe Stunde Zeit zum Gebet, außer wenn du viel zu tun hast, dann nimm dir eine ganze Stunde Zeit.” Franz von Sales

Zum Abschluss noch ein kurzes Video. Loriot nimmt darin herrlich auf die Schippe, wie andere auf dein Nichtstun reagieren könnten.

P.S.  5 Gründe, die Kunst des Alleinseins zu üben

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