Selbstfürsorge-Wochenende mit einer Liste voller Tipps

Selbstfürsorge-Wochenende mit einer Liste voller Tipps

Wie war das früher als Kind? Das habe ich mich in der Vorbereitung für diese Folgegefragt.

Um mich hat sich immer jemand gekümmert. Alles wurde für mich gemacht. Wenn man jetzt so zurückblickt, ein ganz schöner Luxus. Es wurde Essen gekocht, es wurde gespült, es wurde vor allem viel gegrillt. Es wurden mir die Haare gekämmt, mir die Nägel geschnitten, ich wurde eingecremt, regelmäßig gewaschen, am Anfang gewickelt.

Für all das sage ich erst mal herzlichen Dank, liebe Mama, lieber Papa!

Dann über die Jahre ist das ein bisschen anders geworden. Ich musste selbst mehr Entscheidungen treffen. Teilweise war das schwer für die Eltern das auch zuzulassen, denn plötzlich haben Kinder selber entschieden, ob ihnen warm oder kalt ist. Wobei bei uns zuhause die Regel galt, mein Papa hat das mal so schön zusammengefasst, Kinder geht rein, holt euch einen Pulli, Mama ist kalt.

Genauso war es. Wenn Mama anfing zu frieren, mussten wir uns anziehen. Aber gut, woran sollte sie sich auch sonst orientieren? Irgendwie bleiben wir auch immer Kinder unserer Eltern und das ist schön so.

Sie reden uns in manchen Dingen immer noch rein und meinen, uns sagen zu müssen, wie es geht. Ich glaube, manchmal tun wir ganz gut daran, darauf zu hören, denn egal wie alt wir werden, unsere Eltern haben nun mal mehr Lebenserfahrung als wir.

Jetzt als Erwachsener muss ich selber auf viele Dinge achten, dass ich regelmäßig esse und trinke, dass ich mich wasche. Das reicht aber irgendwie noch nicht. Abgesehen davon, dass ich das inzwischen auch für meine Kinder tun muss und dadurch natürlich noch einen großen zusätzlichen Verantwortung- und Stressfaktor habe, ist die Frage: Unter all diesen Aufgaben, To-Dos, Pflichten, die ich in meinem Job habe, die ich für meine Familie habe, achte ich da eigentlich über diese Basis-Dinge wie Essen, Trinken, Waschen hinaus auf mich?

Wir haben alle irgendwann mal diesen dummen Satz gehört, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich halte den tatsächlich für Schwachsinn und ich glaube mit meinem Blog und Podcast auch deutlich zu machen, warum das so ist. Für mich ist übrigens Arbeit und Vergnügen nichts, was sich zwingend ausschließt und ich glaube auch auf Dauer nicht ausschließen darf. Aber die Frage ist, so schön es ist auf andere zu gucken und für meine Kinder da zu sein: Achte ich eigentlich auf mich selbst?

Mir ist in der Vorbereitung dieser Podcast-Folge eins meiner Lieblingszitate wieder eingefallen. Es stammt von Bernhard von Clairvaux, einem Abt, der an einen seiner ehemaligen Mönche geschrieben hat. Wohlgemerkt dieser ehemalige Mönch war inzwischen Papst geworden, Papst Eugen der dritte. Ich glaube tatsächlich nur ein ehemaliger Abt darf sich trauen so einem Papst zu schreiben. Denn er schreibt:

Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht, tue das immer. Ich sage nicht, tue das oft. Aber ich sage, tue es wieder einmal. Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich selbst da.

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus einem relativ langen, aber sehr lesenswerten Brief. Gönne dich dir selbst. Tue ich das regelmäßig? Habe ich mich gefragt. Wie gönne ich mich mir selbst? Wie ernst nehme ich es zu sagen, jawoll, Benjamin und jawoll, lieber Leser, du hast es verdient gut zu dir zu sein. Du hast es dir verdient dir mal richtig was zu gönnen. Das möchte ich dir heute ans Herz legen. Nimm dir dafür gezielt Zeit. Nimm dir Zeit für ein Selbstfürsorge-Wochenende oder zumindest für einen Selbstfürsorge-Tag.

Selbstfürsorge-Wochenende

Ich persönlich glaube, dass ein ganzes Wochenende besser ist. Ein Wochenende, an dem du wegfahren könntest, ganz alleine, eine kleine Ferienwohnung mietest oder ein Hotelzimmer. Es muss nicht weit weg sein, aber raus aus deinem Alltag. Alternativ kannst du auch den Tag in der Sauna verbringen oder in einem schönen Schwimmbad oder du fährst in einen schönen Park. Guck, was dir guttut. Wie könnte dann solch ein Selbstfürsorge-Wochenende oder ein Selbstfürsorge-Tag aussehen? Was könntest du tun?

1. Auschlafen

Als erstes solltest du ausschlafen, und zwar so lange schlafen bis du von ganz alleine wach wirst. Dein Körper braucht den Schlaf. Lasse dich nicht stressen. Du holst dir heute das, was du brauchst. Was ist, wenn du früh wach wirst? Dann ärgere dich bitte nicht. Es ist vollkommen okay, wenn du deinen Rhythmus hast und es ist eigentlich ein gutes Zeichen, dass du auch in deinem Alltag offensichtlich genug schläfst. Du hast keinen Stress. Es ist dein Tag. Wenn du später am Tag irgendwann ein bisschen schlapp wirst, machst du halt ein Nickerchen oder gehst heute Abend früh ins Bett.

2. Lesen

Du hast endlich mal Zeit wieder was richtig Gutes zu lesen. Kein Fachbuch, keinen Artikel, keinen Blog, sondern einfach was, was schön ist, was dir gute Laune macht. Lesen senkt so enorm das Stresslevel, das sollte man im Alltag auch viel öfter tun. Dazu habe ich hier schon mal was gemacht, aber gerade an solch einem Selbstfürsorge-Tag, nimm dir Zeit zum Lesen. Wenn du der Mensch bist, der lieber hört, dann hör doch ein gutes Hörbuch.

3. Essen

Mach dir was richtig Gutes zu essen. Gut, meine ich jetzt nicht im Sinne von gesund. Das kann es auch sein kann. Du kannst auch den ganzen Tag Salat essen und ein gutes Gefühl dabei haben. Ich gönne mir ehrlich gesagt auch gerne mal was "Sauiges". Manchmal haben wir so Tage, wo wir sagen, komm, heute gönnen wir uns was Sauiges. Dann wird irgendwie Pizza bestellt oder eine Pommes oder wir fahren sogar zu der Firma mit den goldenen Bögen. Hauptsache es tut dir gut. Ein Essen, das deiner Seele guttut. Es ist nicht entscheidend, du sollst es nicht jeden Tag machen. Dazu möchte ich gar nicht aufrufen. Letztendlich geht es der Seele auch nur gut, wenn es deinem Körper gutgeht, aber ich finde, an so einem Tag kann man sich einfach mal was gönnen an Essen, was einen glücklich macht und das darf auch ruhig mit Zucker, Fett und Salz sein.

4. Rückblick

Dann mach an diesem Tag vielleicht einen Rückblick. Was beschäftigt mich gerade? Was treibt mich gerade um? Wie waren die letzten Wochen für mich? Nicht mit dem Ziel einen 3-Schritte-Plan für die nächsten 3 Wochen zu erstellen, damit es dir besser geht. Nein! Einen ganz zweckfreien Rückblick. Einfach entspannt deinen Gedanken nachhängen und gegebenenfalls was notieren.

Oder du nutzt die Methode des freien Schreibens, wo du einfach ein Stift auf einem leeren Blatt Papier ansetzt und anfängst zu schreiben, alles, was dir in den Kopf kommt. Das kann sehr befreiend sein und ganz neue Gedanken aus dir hervorheben.

5. Unternimm etwas

Ein bisschen Bewegung sollte dein Tag vielleicht auch haben. Ich rede jetzt nicht von dem großen Sportprogramm, sondern vielleicht von einem kleinen Spaziergang im Wald oder wie meine Mutter sagte: "Wir gehen mal um den Pudding." Das ist so eine kleine Runde in der Nachbarschaft.

Oder du hast endlich mal wieder Zeit deinem Lieblingssport nachzugehen. Ich finde auch, so ein Tag, der muss nicht zwingend allein verbracht werden. Große Teile schon, weil es ist dein Tag, aber es spricht nichts dagegen dich am Nachmittag oder am Abend mit Freunden zu treffen, für die du sonst keine Zeit hast. Auch das ist Selbstfürsorge zu sagen, ich nehme mir ganz bewusst Zeit für meine sozialen Kontakte und ich meine damit nicht die Kontakte in Social-Media.

6. Gönn dir etwas

Dann würde ich dir noch raten auf jeden Fall dir richtig was zu gönnen an dem Tag, also dir ein kleines Geschenk zu machen. Es kann ein Ausflug ins Kino oder so sein. Das kann aber auch sein, dass du einfach mal auf deiner Wunschliste guckst. Die gibt‘s ja bei verschiedenen großen Online-Bestellsystemen. Ich möchte jetzt keine Namen nennen. Aber dass du auf diese Wunschliste guckst und dir sagst, "scheiß drauf, ich kaufe mir jetzt einfach mal selber was, was ich gerne haben möchte". Das sind nur so ein paar Anregungen von Dingen, die mir an so einem Selbstfürsorge-Tag guttun. Guck mal, was für dich das Richtige ist.

Jetzt zum Schluss müssen wir natürlich irgendwie noch in die Umsetzung kommen, sonst sagst du, ja, war ganz nett, netter Impuls, hm, denke ich mal drüber nach. Nein. Wenn du jetzt diesen Blogpost zu Ende gelesen hast, schlägst du deinen Kalender auf. Sagt man das noch so? Obwohl viele gar keinen Papierkalender mehr nutzen. Also du öffnest sonst deine Kalender-App und blockst dir einen Tag oder ein Wochenende innerhalb der nächsten 3 Monate. Ja, du hast richtig gehört.

Wenn dann nichts frei ist, dann räume es dir frei. Dann sag Sachen ab. Es ist so wichtig auf sich selbst zu achten, damit du regelmäßig deinen Energielevel überhaupt halten kannst, damit du produktiv sein kannst und vor allem und das ist noch viel wichtiger, weil du bist ja mehr als das Ergebnis deiner Arbeit, damit es dir gutgeht, damit du glücklich bist.

Wenn du den Termin geblockt hast, dann hänge einen leeren Zettel an einen Ort, wo du regelmäßig hinkommst. Vielleicht im Gäste-Klo, vielleicht im Flur oder in deinem Büro an deine Pinnwand. Darüber schreibst du nur Selbstfürsorge-Tag oder Wochenende. Da drunter sammelst du bis zu dem Termin alle Dinge, die du an dem Tag gerne machen würdest. Du musst dich dann nicht stressen, wenn du nicht alles schaffst an dem Tag. Oh Gott, bloß kein Stress am Selbstfürsorge-Wochenende. Aber du hast eine Liste mit Anregungen, was du gerne machen würdest. Das hilft dir an dem Tag den Tag ein bisschen zu strukturieren.

Und, das ist das Wichtige, du hast eine große Vorfreude auf den Tag. So hilft dir der Tag vorher schon dich immer wohler zu fühlen und auch im Alltag vielleicht das ein oder andere von deiner Liste schon einzuplanen. Du musst ja nicht nur den ganzen Tag nehmen, das solltest du auf jeden Fall, aber du kannst auch einzelne Sachen davon in deine Wochenplanung integrieren und so gucken, wo gönne ich mich mir regelmäßig selbst?

Damit wünsche ich dir schöne entspannte 2 Wochen. Ich freue mich aufs nächste Mal. Denk dran, jetzt sofort Kalender-App öffnen oder Kalender aufschlagen und auch wenn es kompliziert ist, blocke dir einen ganzen Tag oder ein Wochenende nur für dich.

Gönne dich dir selbst! Ciao!

2 Kommentare

  • Hi Benjamin, danke für diesen wundervoll reflektierten Artikel. Es ist echt hilfreich wie aufmerksam du Dinge wahrnimmst und treffsicher formulierst. Hab mir den Tag gleich eingeplant.
  • Hey Christian,

    da bin ich ja fast mal sprachlos ;-) Danke für dein tolles Feedback.

    viele Grüße Benjamin

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